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Die Kraft der Verletzlichkeit – Ein Weg zu authentischer Verbindung

Neulich in einer Paarsitzung kam zwischen den beiden zur Sprache, dass sie ihn gern und häufig kritisierte, wenn er ein für ihn typisches Verhalten zeigte, wenn er zum Beispiel nach der Arbeit nach Hause kam, sich umzog und seine Kleider dabei überall in der Wohnung verteilte. 

Ich fragte die Frau, was passieren würde, wenn sie statt ihn zu kritisieren und an ihm herumzunörgeln, ihn einfach machen ließ, was er ohnehin machte. Ihre Antwort: „Das wäre an sich nicht so schlimm, aber das Problem wäre, dass er ja dann gewonnen hätte.“ 

Wenn wir wahrgenommen werden, dürfen alle gewinnen

Daraus sprach für mich nicht unbedingt, dass sie ihrem Mann nicht gönnt zu gewinnen. Vielmehr nahm ich wahr, wie sie Angst davor hatte, mit ihren Sorgen allein gelassen zu werden, nicht wahr genommen zu werden. Die Dynamik kann in verschiedenen Situationen natürlich ganz unterschiedlich sein. In diesem Fall bestätigte sie aber, dass ihre Nörgelei im Grunde nur der Versuch war, ihrem Mann mitzuteilen, dass sie gesehen werden wollte und dass er sah, was sie in die Beziehung einbrachte. 

Viele von uns fühlen sich allein gelassen, nicht gesehen oder zurück gelassen. Das kann in Paarbeziehungen, in Freundschaften oder auch Geschäftsbeziehungen so sein. Um dieser Angst zu entgehen, gewöhnen wir uns häufig Schutzmechanismen an. Das kann zum Beispiel das Kritisieren eines Partners sein. Wir legen uns im Grunde einen Sicherheitspanzer an, der davon ablenkt, was wirklich in uns vor geht und meistens wissen wir selber nicht, was da in uns an Emotionen, Gedanken und Assoziationen ablaufen, bis wir der Sache mit viel Übung auf den Grund gehen.

Eine Schleife von Missverständnissen

In einer Beziehung führt ein solcher Sicherheitspanzer fast immer zu einer Schleife von Missverständnissen und Reibungspunkten und wenn die Sache schlecht läuft passiert es, dass sich die Partner, zumindest in einem Bereich ihrer Beziehung von einander entfernen. 

Nur mit Übung kommen wir wieder dahin zurück verletzlich zu sein. In dem Wort verletzlich steckt etwas Aktives, so wie auch in freundlich oder herrlich, da strahlt etwas aus einer Person heraus, nämlich eine bestimmte Art und Weise in der Welt zu sein. (Das geht natürlich auch mit negativ kosnotierten Adjektiven wie schrecklich oder fürchterlich). Im Falle von Verletzlichkeit bedeutet es, dass ein Mensch den Sicherheitspanzer ablegt und zwar zunächst vor sich selbst. Denn verletzlich sein heißt nicht leichter verletzbar zu sein oder gar verletzt zu sein. Verletzlich sind wir, wenn wir dem auf die Spur kommen, was wirklich in uns vor sich geht und aufhören, es zu kritisieren. Zu bemerken, was wir fühlen und was wir tatsächlich denken, ganz echt und menschlich mit vermeintlichen Fehlern, schwierigen Emotionen und Imperfektionen und anfangen, damit zunächst okay zu sein, dass die Dinge in uns so sind wie sie sind, egal ob wir wissen, wo das her kommt, oder nicht.

Verletzlichkeit und Stärke

Ich denke es wird häufig missverstanden, dass wir durch Verletzlichkeit leichter verletzbar würden. Aber häufig ist das Gegenteil der Fall. Denn wenn wir mit dem, was in uns wirklich los ist, umgehen lernen, werden wir flexibler und stärker und vergeuden nicht so viel Energie auf Schutzmechanismen, die uns letztlich nur umso mehr Schwierigkeiten im Leben machen. Wir lernen auch, dass uns nichts so schnell umhauen kann, wie uns unsere Angst manchmal weiß machen will. Und mit etwas Übung erfahren wir, dass unserer Verletzlichkeit uns dazu verhelfen kann, das Leben viel leichter zu bewältigen. Ob in Beziehungen oder in Beruf und Alltag können wir viel mehr viel leichter erreichen, wenn wir uns in Verletzlichkeit üben. Mich hat die eigene Verletzlichkeit schon so einige Male überrascht. 

Das Paar hat nun die Hausaufgabe mit auf den Weg bekommen heraus zu finden, was passiert, wenn der andere manchmal gewinnt. 

Ich denke, wenn wir so verletzlich sein können, dass wir alle gewinnen lassen, inklusive uns selber, würden wir Menschen einen großen gesellschaftlichen Schritt voran machen. Und ich kann mir auch vorstellen, dass sich viele Probleme, mit denen wir derzeit zu tun haben, wie von selber lösen.

Was meinst du, wo andere und auch wir gewinnen können, wenn wir verletzlich sind? Schreib mir gern einen Kommentar oder eine E-Mail! 

2 Kommentare werden angezeigt
  • Maja
    Antworten

    Wenn wir uns verletzlich zeigen und dazu stehen, sind wir authentisch. Diesem Verhalten wird meist eher Respekt gezollt als dass wir eine harte Schale zeigen, die eh durchschaut wird 😉
    Braucht aber viel Mut und Übung, bis man selber selbstsicher und komplett frei hinter sich steht.
    Lohnt sich aber!!

    • Karsten Küstner
      Antworten

      So ist es, liebe Maja. Es braucht viel und und Übung. 😊

Schreib mir einen Kommentar!

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