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Meister unter Meistern – Oder wie wir unsere wahre Größe entdecken

Kennst du die Tendenz, etwas Gutes zu vermeiden, weil es dir irgendwie peinlich ist oder du dich schämst?

Kürzlich befand ich mich in einem sagenhaft schönen Restaurant. Der Koch ist Türke und zaubert in einer offenen Küche vorzügliche Gerichte. Es ist eine Wonne, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Auf mehreren Tischen sehe ich dieses fantastisch lecker aussehende Gericht und ich möchte es unbedingt probieren. Ich weiß, dass genau das mir jetzt richtig guttun würde!


Aber ich kenne den Namen des Gerichts nicht auf Türkisch. Statt dem Koch zu sagen: “Das sieht unglaublich lecker aus. Wie heißt dieses Gericht? Das hätte ich gerne!”, suche ich nach einer Speisekarte, hinter der ich mich verstecken kann. Ohne meine Brille finde ich mich auf der Karte kaum zurecht und überlege, mich für ein Gericht zu entscheiden, auf das ich keinen Appetit habe, nur weil ich den Namen kenne. Selbst wenn ich das gewünschte Gericht auf der Karte fände, hätte ich das Gespräch mit dem Chefkoch verpasst. Ich hätte mich als Nicht-Türke outen können, als der, der ich bin: Jemand aus einem anderen Land mit Interesse und Appetit auf das Leben. Und der Koch hätte sich mit mir verbinden können. Hat er sich nicht vielleicht gerade deswegen für eine offene Küche entschieden, bei der die Gäste direkt mit dem Küchenpersonal interagieren können?


Wie oft habe ich mir lebendige Interaktionen versagt, weil ich mich schämte, ein Outsider zu sein? Wie wichtig war es mir manchmal, bloß nicht zu zeigen, dass ich etwas nicht kannte? Ich wollte bei allem mitreden können, immer als Experte. Meine Meinung sollte stets fundiert und richtig sein. “Das kenne ich nicht” war lange Zeit kein Satz in meinem Sprachrepertoire.
Aber wie wäre es, jemand anderen als Experten auf einem Gebiet anzuerkennen und die Entspannung zu genießen, die es mit sich bringt, kein Experte sein zu müssen, sondern sich in den Schoß und die Obhut eines Meisters fallen zu lassen? Wie wäre es, auf nur einem oder wenigen Gebieten ein Meister sein zu dürfen?


Ist es nicht wahre Meisterschaft, nicht überall Meister sein zu müssen? Nicht überall oder sogar meistens nicht perfekt zu sein?


Andere Menschen als Meister auf ihrem Gebiet anzuerkennen und sich von diesem Vertrauen in andere tragen zu lassen, das war lange Zeit unbekannt für mich. Aber es ändert viel, wenn man denkt: Gut, dass es andere Menschen gibt. Jeder Mensch hat eine einzigartige Perspektive. Jeder trägt etwas bei, jeder ist wichtig, jeder ist ein Meister in einer ganz speziellen Hinsicht.
Wie wäre eine Welt voller Meister, die die Meisterschaft der anderen ebenso anerkennen wie ihre eigene?

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Showing 1 comments
  • Franziska
    Antworten

    Lieber Karsten,
    beim Lesen deines Blog-Artikels bewegt mich Folgendes: In der Tiefe geht es doch um die Begegnungsoffenheit, mir selbst gegenüber und gegenüber dem anderen Menschen.
    Mit dem Gedanken der Meisterschaft sind wir auf der Ebene der Beurteilung und Bewertung. Das sind Gedanken auf der Verstandesebene. Sie sind in unserem Leben vor allem wichtig, wenn es um Fragen und Entscheidungen in den physisch-materiellen Bereichen geht. Auf der Lebensebene, in den sozialen Prozessen, auf der seelisch-geistigen Ebene wirken Beurteilung und Bewertung immer trennend. Da braucht es die Qualitäten der Offenheit, des Interesses, der Achtung, der Anerkennung, der Ehrfurcht (z.B. vor dem Leben), des Mitgefühls und der Liebe. Dann kann das Leben fließen.
    In jeder Menschenseele, im Herzen eines jeden Menschen gibt es diesen ewigen Wahrheits- Liebes-Lebensfunken, unser Innerstes, durch das wir mit allem Irdischen und dem ganzen Kosmos verbunden sind. Wenn wir uns dieses inneren Lichtes in uns selbst und im anderen Menschen bewusst werden in der Begegnung, dann erleben wir die wahre Größe und Fülle in uns Menschen und in unserem Leben. Dann braucht es keine Beurteilung und Bewertung. Und in der Begegnung können wir uns einander helfen, daß dieses innere Licht in unserem Herzen wieder mehr Raum bekommen und zum Strahlen kommen kann.
    Wir leben gegenwärtig in Verhältnissen, in denen die Gefahr des Verlustes der wahren menschlichen Qualitäten extrem hoch ist. Wo Macht, Gewalt, Täuschung, Manipulation, das Schüren von Ängsten zu Gefühlen der Unsicherheit, der Verwirrung,, der Orientierungslosigkeit, des Verlustes der Bewusstseinsklarheit, des Ausgeliefertseins, der Ohnmacht, Lähmung und Einsamkeit führen können.
    Es braucht jetzt unsere innere Kraft und die gegenseitige Hilfe und Unterstützung, daß wir aus diesen gegenwärtig sehr dunklen Geschehnissen hervortreten können zu neuer Klarheit, Kraft und neuen Möglichkeiten.
    Es geht um Bewusstseinsprozesse, die die ganze Menschheit betreffen und in denen es auf jeden einzelnen von uns ankommt.
    Ich grüße dich und euch alle herzlich,
    Franziska

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